Filmplakat Rogue One (Lucas Films)

Fünfzehn Jahre nachdem ihr Vater (Mads Mikkelsen) – ein ehemaliger Waffenbauer des Imperiums – verschleppt wurde, findet die junge, kriminelle Jyn Erso (Felicity Jones) sich im Mittelpunkt der Rebellion wieder. Sie erfährt dass ihr Vater für den Bau einer Waffe verantwortlich ist, die den Namen „Todesstern“ trägt. Anfangs noch recht uninteressiert an der Politik der Galaxis, wandelt sich Jyn, als sie herausfindet, dass ihr Vater sein Leben riskiert hat, um den Traum von der Rebellion zu retten. Er hat einen Konstruktionsfehler in die Raumbasis eingebaut. Nun gilt es, sich die Pläne zu beschaffen. Doch da die Rebellen nicht überzeugt sind, übernimmt ein kleines Team diese wie ein Himmelfahrtskommando wirkende Aufgabe. Die Gruppe um Jyn und ihre Freunde Captain Cassian (Diego Luna), Chirrut Imwe (Donnie Yen), K-2SO (Alan Tudyk) und andere nennt sich Rogue One.

Was habe ich erwartet? Ein Star-Wars-Spin-off. Ich sehe Spin-offs mittlerweile als DEN neuen Trend an. Und mir gefällt es. Solange es funktioniert. Ich gehe also mit der groben Ahnung „Todesstern“ ins Kino. Und werde umgehauen. Rogue One ist neu. Er unterscheidet sich vom üblichen „Star Wars“. Diesmal steht deutlich das „Wars“ im Mittelpunkt, denn der Film befasst sich nicht nur optisch sondern auch inhaltlich stark mit dem Thema Krieg. Die Story dreht sich um die „kleinen Fische“: diejenigen, die nicht von der Macht erfüllt sind, diejenigen, an die sich in 30 Jahren keiner erinnert. Außerdem ist der Film von seiner ganzen Art her erwachsener. Die Story kommt nicht zu kurz. Und doch ist sie nicht die treibende Kraft des Films. Denn das ist die Action, die Massigkeit, die Kraft. Der halbe Film besteht aus einer einzigen Schlachtszene – und ich habe mich trotzdem keine Sekunde gelangweilt. Noch nie war ich von einer Kampfszene derart mitgenommen und… überrannt. Es ist für mich definitiv die beste aller Star-Wars-Weltraum-Schlachten.

Der Soundtrack ist wunderbar episch. Die Animationen sind gut. Ich erinnere mich, dass ich mich oft gefragt habe, ob es irgendwann möglich sein wird, einen Schauspieler in einen Film zu bringen, obwohl er tot oder für die dargestellte Zeit zu alt ist. Dieser Film bietet die Antwort: JA. Dank Animation wird ein längst verstorbener Schauspieler (Peter Cushing) Teil des Films. Wir  haben einige Anspielungen, wie wir sie schon in Episode VII gefeiert haben. Wir haben wundervolle Settings. Wir haben Charme und einige wirklich gute Gags. Wir haben Emotionen. Wir haben geniale Charaktere.

Es ist unglaublich, wie viel in 134 Minuten passieren kann. Wie zum Beispiel, dass man sich so schnell in die Charaktere verliebt. Ich hatte bei keinem Tod dass Gefühl, dass es mir egal ist. Mit Jyn haben wir eine Protagonistin, die im Gegensatz zu Rey, aber auch Luke und Annikan, derb ist. Sarkastisch, zynisch und rau. Und doch gut und voller Hoffnung. Mir persönlich gefallen solche Charaktere. Außerdem finde ich es gut, dass das Universum mehr weibliche Protagonisten bekommt, denn die braucht es meiner Meinung nach.

Ich finde Rogue One mutig. Mutig, weil er so ziemlich alles anders macht, als andere Spin-offs und Fortsetzungen, die ich bisher kenne. Es gibt Innovationen, wie die eben erwähnten Animationen. Wir sehen die Charaktere, die wir lieb gewonnen haben, einem nach dem anderen beim Sterben zu. Es gibt den Hauptteil des Filmes nur Gemetzel. Die Seiten sind nicht mehr schwarz und weiß. Die Guten sind nicht mehr nur die Guten.

Aber die zwei mutigsten Dinge sind meiner Meinung nach:

  1. Rogue One tötet seine Protagonistin. Das ist etwas, was  eigentlich aus dem Kontext logisch ist, da der Film direkt an Episode IV anknüpft, und da kein Platz für das Team „Rogue One“ wäre. Trotzdem hat es mich überrascht und auch ein wenig geschockt. Denn es ist einfach unüblich. Aber ich finde es gut! Ich möchte mehr Dinge sehen, die wir nicht erwarten und die uns fassungslos dastehen lassen.
  2. Rogue One ist eine in sich geschlossene Geschichte. Wann gab es das zu letzt bei einem Film dieser Art? EINEN Film, mit EINER geschlossenen Handlung. Ja, der Film gilt als der erste einer Anthologie-Reihe, und ja, natürlich geht es dabei auch um Geld. Aber der Film ist nicht auf eine Fortsetzung seiner Geschichte angelegt. Die weiteren Spin-offs erzählen eigene Storys, obwohl die Leute sich eine Fortsetzung definitiv angesehen und es Geld eingebracht hätte, und das finde ich mutig.

Die Geschichte finde ich interessant, gut und nachvollziehbar. Ich habe mich bei Episode IV tatsächlich nie gefragt, wie die Rebellen an die Pläne für den Todesstern gekommen sind, aber sehr wohl, warum das Ding so einen DUMMEN Konstruktionsfehler hat. Jetzt weiß ich es.

Die Art der Darstellung einer Rebellion erinnert mich an The Hunger Games. Am Ende geht es um Hoffnung. Rebellion entsteht aus Hoffnung. Darauf kommt es an. Daran erinnert uns auch ein vielleicht letztes Mal Leia. Eine Szene, die durch Carrie Fishers kürzliches Ableben noch viel ergreifender wirkt.

Rebellion entsteht aus Hoffnung. (Jyn)

Also. Funktioniert ein Star-Wars-Spin-Off-Film? JA! Vor allem ein in sich geschlossener. Ich freue mich sehr auf die weiteren geplanten Projekte. Wenn derart viele Nebenstränge entstehen, wird aus einer Geschichte ein Universum. Das ist Star Wars ein Mal mehr geworden.

Ich liebe Rogue One. Und deshalb bekommt der „Schurke Nr. 1″ von mir

10/10 Todessterne mit Konstruktionsfehler –

als ein fantastischer Start der Star-Wars-Spin-off-Anthologie.

todesstern

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